Finanzierung

 

Zinsentwicklung Stolpersteine

 

Die Regiobank Solothurn AG hat sich seit ihrer Gründung 1819 stetig vergrößert und weiterentwickelt. Als unabhängige Bank steht sie heute für persönliche und nachhaltige Beratung ihrer Kunden. Peter Studer ist Leiter der Geschäftsstelle in Egerkingen. Wir sprachen mit ihm über die aktuelle Zinsentwicklung und damit verbundene Investitionen von KMUs.

 

Herr Studer, der europäische Leitzins der EZB ist schon seit einiger Zeit auf einem historisch niedrigen Stand. Welche Auswirkungen hat das auf den Finanzmarkt und auf Privatpersonen?

Dies ist in der Tat so, die EZB aber auch die SNB haben den Leitzins, zwar mit zwischenzeitlichen Anhebungen, in den letzten Jahren kontinuierlich gesenkt (in den letzten 20 Jahren aufgrund der Dotcom-Blase und zuletzt aufgrund der Subprime-Finanzkrise 2007/2008 sogar beschleunigt). Der Hauptfinanzierungssatz notiert zurzeit bei null und Bankeinlagen bei der EZB werden sogar mit 0.4% Negativzins bestraft (Schweiz: Bei der SNB fallen über der Freigrenze sogar -0.75% an). Mit der sehr expansiven Geldpolitik möchte die EZB das Wirtschaftswachstum beleben, bzw. die Wirtschaft mit günstigem Geld beliefern. Die expansive Haltung sollte auch eine Aufwertung/Stärkung des Euros verhindern, bzw. entgegenwirken. Privatpersonen profitierten/profitieren aufgrund des historisch tiefen Zinsniveaus von günstigeren Hypothekarzinsen. Im Gegenzug erhält man auf den Bankkonti aber entsprechend auch eine tiefere Verzinsung.

 

Ziel der Zentralbanken bleibt es, den Konsum/Privatkonsum anzukurbeln/zu steigern. Sparen unattraktiv zu machen und das Wirtschaftswachstum zu steigern.

 

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für größere Investitionen, auch für KMUler?

Der Zeitpunkt ist unter dem Gesichtspunkt der tiefen Finanzierungskosten (rekordtiefe Zinsen) sicherlich gut. Bei einer hohen, mittelfristigen Investition können sich die KMU-Betriebe derzeit überlegen, diese allenfalls vorzuziehen oder bereits lang geplante Investitionen nun umzusetzen.

 

Dennoch gilt für einen KMU-Betrieb der Grundsatz, dass sich eine Investition primär lohnen muss, sei dies im Bereich der Prozess- und Kostenoptimierung, der Weiterentwicklung von Produkten, der Differenzierung zu den Konkurrenzbetrieben oder zur Modernisierung der Anlagevermögen. Nur zu investieren, dass investiert wurde, wäre sicherlich auch der falsche Ansatz. Somit sind die tiefen Finanzierungskosten sicherlich eine willkommene Kostenersparnis für die Firmen. Die Frage nach Investitionen oder der Tragbarkeit eines Investments muss sich eine Unternehmung jedoch laufend stellen; auch in Phasen höherer Zinsen. Fakt ist jedoch, dass in Zinstiefphasen im Investitionsbereich mehr Bewegung festzustellen ist.

 

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Für KMUs bedeuten diese Entwicklungen neue Investitionen und Umstrukturierungen. Nehmen wir an, wir brauchen einen Kredit dafür, welche Steuerungselemente werden seitens der Bank eingesetzt?

Digitalisierung betrifft uns alle - insbesondere unsere Firmenkunden. Sie sind in diesem Bereich gefordert, Investitionen in die Zukunft zu tätigen, um innovativ und effizient den Marktgegebenheiten Stand zu halten (Globalisierung). Jeder Kreditkunde unterliegt der Prüfung seiner Kreditfähigkeit und -würdigkeit. Im persönlichen Gespräch wird mit ihm – und vorzugsweise unter Einbezug des Treuhänders – abgeklärt, welche Finanzierung den Bedürfnissen entspricht.

 

Was sind die Schattenseiten des niedrigen Zinssatzes? Oder anders gefragt; lohnt es sich überhaupt noch zu sparen?

Wie erwähnt erhält man auf dem Bankkonto entsprechend eine tiefere Verzinsung oder praktisch keine Verzinsung mehr. Der Zins und Zinseszinseffekt fällt auf längere Betrachtung viel weniger ins Gewicht oder fällt sogar aus. Dennoch soll der Sicherheitsgedanke/Sicherheitsüberlegung nicht ausser Acht gelassen werden. Gleichzeitig fehlen ja im Gegenzug auch attraktive Investitionsalternativen in festverzinslichen Anlagen.

 

Schattenseiten:

- Förderung der Kreditvergabe, Überhitzung? / Inflation / Immobilienblase

- Überhitzung Aktienmärkte / tiefe Renditen? Nicht in risikohafte Anlagen verleiten lassen

 

Auch das Rentensystem ist von der Zinsentwicklung betroffen. Steigende Rentenbeiträge und sinkende Renten könnten langfristige Auswirkungen sein. Wenn auch Sparen keinen Sinn mehr macht, wie sichern wir uns dann im Alter ab?

Die Umwandlungssätze der Pensionskassen werden weiter sinken. Dies aufgrund der steigenden Lebenserwartung der Schweizer Bevölkerung. Es ist deshalb entscheidend, eine private Vorsorge aufzubauen, damit der Gürtel nach der Pensionierung nicht zu eng geschnallt werden muss. Empfehlenswert ist das Sparen im Rahmen der Säule 3a sowie mit Fondssparplänen im freien Vermögen.

 

Was ist ihre Prognose bezüglich der kommenden Zinsentwicklungen und welche Auswirkungen könnte dies auf die globale und Schweizer Wirtschaft haben?

Die USA befindet sich bereits in einem Zinserhöhungszyklus. Weitere Anhebungsschritte werden in diesem Jahr noch folgen (1 bis 2 Schritte September 72% Wahrscheinlichkeit bzw. Dezember 52% Wahrscheinlichkeit). Im Sog der amerikanischen Notenbank dürften zwar die Zinsen in Europa ebenfalls etwas reagieren, bleiben aber vorerst nach wie vor auf sehr tiefem Niveau.  Die SNB wird weiterhin eine abwartende Haltung verfolgen. Sie ist nicht gewillt den ohnehin schon starken Franken weiter zu stärken, was durch Zinsanhebungen ja bekanntlich bewirkt wird. Ein starker Franken, bzw. eine starke Währung dürfte das Wachstum im Land schwächen oder gefährden.

 

In Europa wird die EZB die Zinsen tief halten. Eine Voraussetzung für eine Anhebung ist nach wie vor ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, insbesondere in Südeuropa, wo die Verschuldung weiterhin hoch ist. Höhere Zinsen würde bedeuten höhere Zinslast für die entsprechenden Staaten.

INTERVIEWPARTNER

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Regiobank Solothurn AG

Peter Studer