Flexibles Arbeitmodell

Flexibel Arbeiten im Homeoffice: Chancen und Vorbehalte

 

Homeoffice steht sinnbildlich für ein zukunftsorientiertes Arbeitsmodell, obwohl Mitarbeiter von manch einem Globalplayer wieder die meiste Zeit am Schreibtisch in den Grosskonzernen arbeiten. Mit dem Argument, Kreativität könne nur im Austausch mit anderen entstehen, verliert der Reiz des Homeoffice somit für Viele an Bedeutung. Doch um das Potential des Homeoffice besser zu verstehen und nutzen zu können, ist es gut sich seiner Vorurteile bewusst zu werden und diese - bestenfalls - zu revidieren.

 

1. Annahme: Im Homeoffice zu arbeiten ist völlig entspannt.

Die Vorstellung selbstbestimmt und in aller Ruhe arbeiten zu können ist natürlich verlockend. Doch wer denkt, im Homeoffice könne man stundenlange Kaffeepausen einlegen oder vielleicht direkt aus dem Bett arbeiten, der unterschätzt die selbstorganisatorischen Fähigkeiten die es braucht um erfolgreich im Homeoffice zu arbeiten: Motivation, Selbstdisziplin und Zielorientierung! Wer sich selbst keine klare Struktur vorgeben kann, sollte lieber wieder zu fest gelegten Zeiten ins Büro gehen.

 

2. Annahme: Es gibt nichts Besseres als Elternteil Zuhause zu arbeiten.

Viel Zeit mit den Kindern, gemeinsame Mittagessen und gleichzeitig Zuhause Arbeiten, das gelingt nur, wenn Kinder zusätzlich betreut und klare Regeln eingehalten werden. Wenn die Kinder jedoch noch sehr klein sind, ständige Aufmerksamkeit brauchen und noch nicht zur Schule oder in den Kindergarten gehen wird das Homeoffice zu einem schwierigen Unterfangen. Eine tolle Gelegenheit mehr Zeit mit den Kindern Zuhause zu verbringen bietet sich jedoch, wenn die Kinder etwas älter geworden sind und zum Teil durch Schule, Kindergarten oder andere Institutionen bereut werden. Dabei ist vor allem wichtig den Kindern zu erklären, dass man trotzdem arbeitet und während einer definierten Zeit nicht gestört werden will. Menschen die gerne besonders früh oder spät arbeiten kommt das Homeoffice-Modell ebenfalls entgegen, denn dann schlafen die Kinder meist noch oder schon.

 

3. Annahme: Homeoffices ersetzen Firmen-Büros bald komplett.

Der Datenaustausch wird dank Clouds im Homeoffice zwar immer einfacher und effizienter, doch reibungsloser funktioniert das dezentrale Arbeiten damit auch nicht. Homeworker zeigen sich zudem anfälliger für Stress, da die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit oft verschwimmen. Darüber hinaus schleichen sich viel leichter unbezahlte Überstunden ein und die Gefahr besteht, dass ohne Pausen durchgearbeitet wird. Auch das Firmenklima leidet natürlich darunter, wenn die Mitarbeiter ausschliesslich im Homeoffice arbeiten. Damit dies nicht geschehen kann wird Angestellten empfohlen, nicht mehr als drei Tage pro Woche Zuhause zu arbeiten.

 

4. Annahme: Die Arbeit, die ich Zuhause verrichte, wird gar nicht wahrgenommen.

Die Befürchtung, dass die eigene Arbeit nicht wahrgenommen und geschätzt wird ist eine häufige, wenn der Arbeitsgeber nicht am gleichen Ort und an einem nahen Arbeitsplatz sitzt. Wenn jedoch klare Ziele und gemeinsame, regelmässige Gespräche - mindestens einmal im Monat - vereinbart werden, kann die im Homeoffice erbrachte Leistung auch dementsprechend anerkannt und beurteilt werden. Um die eigene Arbeitszeit transparent zu erfassen, kann es zudem hilfreich sein eine Zeiterfassungssoftware zu nutzen.   

 

5. Annahme: Zuhause arbeiten macht einsam

Wenn man Zuhause arbeitet heisst das nicht, dass man gleich vereinsamt. Als Nachteil sehen dennoch einige Homeofficer den mangelnden informellen Austausch. Mobile und dezentrale Teams sollten deshalb durch eigene, neue Regeln und Absprachen den informellen Austausch befeuern. Dies kann beispielsweise durch festgelegte Wochentage zum gemeinsamen Arbeiten, regelmässige, gemeinsame Mittagessen und Teamsitzung geschehen.

 

6. Annahme: Homeoffice, das ist nicht für jeden!

Die zentrale Voraussetzung für ein erfolgreiches Arbeiten im Homeoffice ist zunächst einmal eine freiwillige Entscheidung Zuhause arbeiten zu wollen. Darüber hinaus sollte man genügend Erfahrung, soziale Kontakte (über die Arbeit hinaus) und eine grosse Portion Selbstmotivation verfügen. Für Praktikanten und jüngere Mitarbeitende ist die Arbeit im Homeoffice deshalb eher ungeeignet. Aber gerade für Kadermitarbeiter mit herausfordernden Jobs, konzeptionellen oder kreativen Aufgaben kann das Homeoffice eine gute Möglichkeit sein, ungestört und konzentriert zu arbeiten. Auch Sales-Mitarbeiter, Spezialisten und Andere, deren Tätigkeiten bereits einen hohen Grad an Selbständigkeit aufweist, profitieren häufig von der Arbeit im Homeoffice.