Arbeitsrecht

Überstunden und was Sie als Arbeitnehmer und Arbeitgeber beachten sollten

 

Überstunden sind meist ein leidiges Thema, vor allem wenn man selbst einmal wieder zu lange im Büro festsitzt. Fast jeder kennt das, und doch wissen häufig weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber wie sie mit Überstunden umgehen sollen, oder müssen. Im Geschäftsalltag führt diese Unwissenheit nicht selten zu Problemen. Wir klären Sie deshalb auf.

 

Wann kann man von Überstunden sprechen?

Von Überstunden spricht man dann, wenn die vertraglich festgelegte Normalarbeitszeit (bis zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit) überschritten wird. Als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer sind Sie tatsächlich dazu verpflichtet hin und wieder Überstunden zu leisten, beispielsweise wenn eine dringende Frist eingehalten werden muss und keine Aushilfen zur Verfügung stehen. Voraussetzung für die Überstundenarbeit ist jedoch, dass diese notwendig und zumutbar ist, Sie weder physisch noch psychisch überfordert und Arbeits- und Ruhezeiten stets eingehalten werden.

 

Was ist der Unterschied zwischen Überstunden und Überzeit?

Das Schweizer Recht macht einen Unterscheid zwischen Überstunden und so genannter Überzeit. Überstunden meint die Zeit, die man länger arbeitet als dies im Arbeitsvertrag vereinbart ist, übersteigt die Überstundenzahl zudem die arbeitsgesetzliche Höchstarbeitszeit, dann spricht man von Überzeit.

 

Wann sind Überstunden nicht zumutbar?

Zumutbar sind Überstunden nur dann, wenn die Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer nicht überschritten wird, keine gesundheitliche Gefährdung vorliegt und familiäre Pflichten weiterhin erfüllt werden können. Unzumutbar wird es dementsprechend, wenn Überstunden beispielsweise zur Übermüdung führen, die Betreuung der Kinder gefährdet ist, eine Rückkehr nach Hause unmöglich wird oder die berufliche Weiterbildung massiv einschränkt wird.

 

Die Regeln für Überzeitarbeit sind ausserdem Teil des Arbeitsgesetz (Art. 9, 12 und 13 ArG) und gehören somit auch zum öffentlichen Recht. Um den Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden zu sichern heisst es dort, dass man nicht mehr als zwei Stunden Überzeit pro Tag arbeiten darf. Für ein ganzes Jahr bedeutet das bei einer Höchstarbeitszeit von beispielsweise 45 Stunden pro Woche ein Maximum von 170 Stunden Überzeit.

 

Wie funktioniert die Kompensation von Überstunden?

Häufig können Überstunden kompensiert werden, das heisst, es findet ein Austausch von Arbeitszeit durch Freizeit von gleicher Dauer statt. Eine Kompensation von Überstunden erfordert jedoch das vorherige Einverständnis der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters und sollte im Arbeitsvertrag oder einem vertraglichen Reglement festgehalten sein. Andernfalls muss der Arbeitgeber die geleisteten Überstunden auszahlen und zwar mit einem Zuschlag von mindestens einem Viertel. Dies bedeutet, dass die Auszahlung im Verhältnis 1:1,25 erfolgen muss, falls dies nicht anders schriftlich und im gegenseitigen Einverständnis vereinbart wurde.

Vertragliche Vereinbarungen sind das A und O

Ob Überstunden bis zu einem bestimmten Datum zu kompensieren sind oder sonst verfallen, eine Auszahlung nicht erfolgt oder eine Entschädigung zwar erfolgt, aber ohne Zuschlag ausgezahlt wird, sollte vertraglich – am Besten im Arbeitsvertrag – vereinbart sein. Inhalt der schriftlichen Abmachungen könnte beispielsweise auch sein, dass Überstunden weder kompensiert noch ausgezahlt werden oder die Leistung von Überstunden bereits im Lohn inbegriffen ist. Häufig werden auch die ersten zehn Stunden Überstundenarbeit in einem Monat nicht vergütet.

 

Rechtsgültigkeit der Vereinbarungen beachten

Liegt keine schriftliche Abmachung zur Handhabung von Überstunden vor, gilt die Auszahlung inkl. Zuschlag als Grundprinzip. Hinzu kommt, dass ein rechtsgültiger Verzicht von Seiten des Arbeitnehmers auf die Kompensation oder Auszahlung von bereits geleisteten Überstunden im laufenden Arbeitsverhältnis nicht möglich ist. So hat der Arbeitnehmer auch nach Verzicht auf bereits geleistete Überstunden die Möglichkeit die Überstunden bis zur Verjährungsfrist von 5 Jahren geltend zu machen.
Die schriftliche Vereinbarung ist also auch nur dann rechtsgültig, wenn sich diese auf zukünftige und nicht auf vergangene Überstunden bezieht. Ein Verzicht auf bereits geleistete Überstunden durch den Arbeitnehmer ist erst einen Monat nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses rechtsgültig.

 

Und was ist mit Überstunden beim Kader?

Dass Kadermitarbeitenden keine Überstundenentschädigungen zustehen ist ein grosses Irrtum. Viel eher gelten die Regelungen zu geleiteten Überstunden grundsätzlich – und sofern nichts anderes vereinbart auch für das leitende Kader. Trotzdem lassen sich in Arbeitsverträgen von leitenden Angestellten häufig entsprechende Abmachungen finden, so dass geleistete Überstunden nicht entschädigt werden.

 

Was ist mit Teil- und Gleitzeit?

Teilzeitmitarbeitende machen ebenfalls Überstunden so bald ihre vertraglich vereinbarten wöchentlichen Arbeitszeiten überschritten werden. Von Überstunden, die erst ab der betriebsüblichen vollen Arbeitszeit anfangen, kann also nicht die Rede sein. Zudem sind bei einer Teilzeitanstellung Überstunden häufiger unzumutbar, da beispielsweise Kinder zu betreuen sind oder noch ein zusätzliches Arbeitsverhältnis existiert.

 

Bei Mitarbeitenden der Gleitzeit sieht die Situation jedoch etwas anders aus. Hier hat das Bundesgericht entschieden, dass Gleitzeitguthaben nicht grundsätzlich als entschädigungspflichtige Überstunden gelten, da sich der Arbeitnehmende oft gewisser Vorgaben und Blockzeiten (in Absprache) selbst einteilen kann.

 

Fazit für die Praxis?

Das Zusammenwirken der Überstunden- und Überzeitreglungen sind im Alltag recht undifferenziert und verwirrend. Zusammenfassend kann man jedoch sagen, dass bei nicht vorhandener vertragliche Regelung Überstunden inkl. Zuschlag zu bezahlen sind und auch bei Überschreitung der Höchstarbeitszeit Überzeit samt Zuschlag zu entschädigen sind. Da die beiden Zuschläge allerdings nicht kumuliert werden, bleibt es bei einer 125% Entschädigung, egal ob es sich nur um Überstunden oder auch um Überzeit handelt.

 

Falls die Entschädigung von Überstunden bereits vertraglich festgelegt ist und keine etwaigen Entschädigungen anfallen, so ist die Überzeit dennoch mit 125% zu entschädigen. Bei Büropersonal sowie technischen und anderen Angestellten, mit Einschluss des Verkaufspersonals in Grossbetrieben des Detailhandels gilt dies jedoch nur für Überzeitarbeit, die 60 Stunden im Kalenderjahr übersteigt.

 

Als Arbeitgeber sollten Sie all dies bedenken und eine Überstundereglung deshalb vertraglich festhalten. Als Arbeitnehmer hingegen sollten Sie immer darauf achten was Sie unterschreiben und welche Regelungen in ihrem Vertrag zum Thema Überstunden aufgeführt sind.