Steuern

Wie der Arbeitsort mit steuerlichen Abzügen in Verbindung stehen kann

 

In einer Zeit, die immer häufiger eine schnelllebige Machart an den Tag legt, ist es keine große Überraschung, dass sich auch die Art und Weise unserer Arbeitsgestaltung immer mehr diesen Gegebenheiten anpasst. Es scheint so, als ob auf Dauer die Speicherkapazitäten des am Arbeitsplatz stehenden Rechners, mit denen der flexibel und einfach abrufbaren Cloud-Lösung ausgetauscht werden müssen, um dieser Trendrichtung noch gerecht werden zu können. Mobiltelefon und Messenger runden dieses Profil perfekt ab und zeigen nochmal in aller Deutlichkeit, dass wir zukünftig mit aller Wahrscheinlichkeit damit leben müssen, quasi nonstop für die Anliegen unserer Kollegen und Kunden erreichbar zu sein.

 

Dass bei dieser vorherrschenden Grundstimmung das „Smart-Working“ immer beliebter zu werden scheint, ist nur eine logische Schlussfolgerung. Doch wie sieht es diesbezüglich eigentlich von der rechtlichen Perspektive aus? Viele Personen haben sich mit dieser Seite der Medaille ganz offensichtlich zu wenig befasst, sodass des Öfteren rechtliche Rückfragen entstehen. Arbeit-2-Go und die möglichen steuerlichen Abzüge – welche Auswirkungen können sich ergeben?

 

Die Betrachtung der arbeitsrechtlichen Aspekte

Ein Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer zwar in Form einer vertraglichen Vereinbarung anweisen, in welchem Ort er zu arbeiten hat, ob er die Ausübung jedoch von Zuhause aus gestaltet bleibt einzig und alleine ihm überlassen. Generell ergeben sich aus arbeitsrechtlicher Perspektive auf Grund des Smart-Working-Trends viele Fragen, die man im Vorfeld einer Ausübung unbedingt durchleuchten sollte, um alle Inhalte zu kennen.

 

Sobald beispielsweise das Homeoffice-Volumen eines EU-, EFTA-, oder Schweizer Bürgers mehr als 25% beträgt, so sieht es die Gesetzeslage vor, dass fortan ein Sozialversicherungsschutz im Wohnsitzstaat besteht. Der Arbeitgeber in der Schweiz muss sich ab diesem Zeitpunkt im dortigen Land um die Beitragsabrechnung kümmern. Erfordert die Verrichtung der Arbeit eine ständige Grenzüberschreitung, könnte auf Grund dieser Ausgangsituation somit eine Volumenverteilung auf unter 25% sinnvoll sein. Viele Arbeitnehmer sind mit dieser gesetzlichen Vorgabe nicht vertraut, sodass oftmals eine große Verwirrung abzusehen ist. Auch die Inhalte des Arbeitsgesetzes sind bei einer derartigen Arbeitsausübung stets einzuhalten. Nachtarbeit und Sonntagsarbeit sind schlussfolgernd weiterhin verboten. Die geleisteten Arbeitsstunden sind regelmäßig zu erfassen, damit man ggf. einer Nachweisaufforderung nachkommen kann.

 

Bereitstellung von Arbeitsgeräten und -Materialien

Auch mit Hinblick auf die Beschaffung der notwendigen Arbeitsgeräte und -Materialien herrscht bei vielen Personen, die einer Homeoffice-Tätigkeit nachgehen, flächendeckend Unwissenheit. Ist es vertraglich nicht anders festgemacht, so ist auch bei einer derartigen Arbeitsgestaltung das gesamte erforderliche Equipment vom Arbeitgeber zu stellen. Wird die Bereitstellung seitens des Arbeitgebers verweigert, so kann der Arbeitnehmer jederzeit sein Recht geltend machen und auf eine Entschädigung pochen.

Noch verschärfter geht es bei Arbeitnehmern vonstatten, die eine Tätigkeit zu 100% von Zuhause aus ausführen. Der dortige Arbeitsplatz muss die gleichen Standards aufweisen können, wie man es im Inneren eines Betriebsgebäudes erwarten würde. Auch an dieser Stelle können Arbeitnehmer ihr Recht einfordern, wenn es auf Seite des Arbeitgebers zu einer verwehrenden Haltung kommen sollte. Die Folge? Auch in diesem Fall würde der weitere Verlauf auf eine Entschädigung für den Arbeitnehmer abzielen.

Nur wenn der Arbeitnehmer selten von Zuhause aus arbeitet und normalerweise seinen Verpflichtungen vom Betrieb aus nachkommt, muss der Arbeitgeber keine Arbeitsgeräte und Materialien zur Verfügung stellen. Die Bereitstellungspflichten wurden vom Arbeitgeber in dem Sinne erfüllt, da der Arbeitnehmer am Hauptausübungsort über einen erstklassigen Arbeitsplatz verfügt.

 

Zu guter Letzt sollte ein Arbeitnehmer im Homeoffice ebenfalls an Spesenansprüche denken. Wenn man sich die etwaigen Kosten für Strom, Heizung, Internet, Telefon, sowie eventuell anfallende Reparaturkosten vor Augen führt, stellt man sehr schnell fest, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit eine stolze monatliche Summe zusammenkommt. Eine Spesenabgeltung kann durch den Arbeitgeber in Form einer Pauschale stattfinden.

 

Steuerrechtliche Ausgangslage des Smart-Working

Kommt ein Steuerpflichtiger in regelmäßigen Abständen, also durchschnittlich betrachtet auf etwa 2 ganze Tage pro Woche, einer Beschäftigung nach, die von Zuhause erledigt werden muss, so kann er steuerrechtliche Ansprüche geltend machen. Der Arbeitgeber hat auf Grund dieser Gegebenheiten schlussfolgernd kein Arbeitszimmer zur Verfügung, sodass der Arbeitnehmer zwangsläufig einen hochwertigen Arbeitsplatz im Eigenheim einrichten muss, um der Arbeit weiterhin gut nachkommen zu können. Wenn dieser neugeschaffene Arbeitsraum keinem privaten Zwecke dient, sind laut Art. 26 Abs. 1 lit c. DBG alle Voraussetzungen für eine steuerliche Geltendmachung gegeben.

 

Da der Arbeitnehmer in dem besagten Raum jedoch nur hauptsächlich und nicht ausschließlich seine beruflichen Aufgaben ausübt, muss man schlussfolgernd einen privat genutzten Teil zu den Lebenshaltungskosten zuzählen. Dies bedeutet somit, dass nur der beruflich genutzte Teil als steuerlich abzugsfähig gilt.

 

Interessantes Urteil des BGE

Ein sich im Jahr 2018 zugetragener Fall vor dem BGE schildert deutlich, dass man die steuerliche Abzugsfähigkeit nicht immer geltend machen kann und somit auf die genauen Details seiner Grundsituation achten sollte.

 

Ein Betrieb hatte rund 80% seiner Arbeiter die Erlaubnis erteilt einer Smart-Working Beschäftigung nachzugehen. Der Arbeitgeber hat hinsichtlich seiner zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze vor Ort so kalkuliert, dass mit Hinblick auf Außendienstmitarbeiter, erkrankte Kollegen und Smart-Worker, niemals eine hundertprozentige Auslastung vor Ort entstehen kann.

 

Ein Steuerpflichtiger versuchte daraufhin vor dem BGE sein Recht auf Abzugsfähigkeit fürs Zuhause eingerichtete Büro durchzusetzen, mit der Begründung, dass die vom Arbeitgeber geschilderten Abwesenheiten nicht von linearer Natur sind. Es könnten somit im Fall der Fälle, also wenn rein theoretisch alle Arbeiter vor Ort zusammenkommen würden, nicht alle Angestellten einen Arbeitsplatz vorfinden, sodass eine Büroeinrichtung schlichtweg unausweichlich war.

 

Das Gesuch des Steuerpflichtigen wurde von allen Instanzen abgelehnt, weil ein ausreichender Beweis fehlte, der zeigt, dass er regelmäßig einen Großteil seiner Arbeit von Zuhause aus abarbeiten muss.